Georg August Samuel, ein Fürst der Barockzeit

Im Chor der Idsteiner Unionskirche erinnert ein prunkvolles Grabmal an den Fürsten Georg August Samuel von Nassau-Idstein und seine Gemahlin die Fürstin Henriette Dorothea von Oettingen. Der alttestamentliche Name "Samuel" (d.i. "von Gott erhört") deutet an, dass der am 26. Februar 1665 geborene Prinz ein ersehnter Nachkomme war, da alle vor ihm geborenen Knaben verstorben waren und der regierende Graf Johann bereits das 62. Lebensjahr vollendet hatte.
Nach dem Studium in Gießen und einer großen Kavalierstour, die ihn nach Frankreich, nach Holland und sogar nach England führte, erklärte ihn 1684 Kaiser Leopold für volljährig, so dass er endlich die Nachfolge seines 1677 verstorbenen Vaters antreten konnte. Auf dem Idsteiner Schloß hatten ihm die Bewohner und die Beamten zu huldigen. Damals war das Nassauer Land von den Kriegszügen des französischen Königs Ludwig XIV. bedroht und der junge Landesherr hatte in der Reichsarmee zu kämpfen.

Nach der Beendigung des Krieges galt sein ganzes Interesse dem Wiederaufbau des Landes. Für die Bürger seiner Residenzen Idstein und Wiesbaden erteilte er großzügig Bauprivilegien. Der Stadt Wiesbaden erneuerte er die alten Freiheitsrechte. Durch die Ansiedlung von pfälzischen Flüchtlingsfamilien gründete er Georgenborn. Er förderte den Ausbau der Landstraßen. Seit 1714 gab es im Land eine regelmäßige Postverbindung, die durch Thurn und Taxis betrieben wurde. Die Hofgüter Georgenthal und Henriettenthal sollten wegweisende Anregungen für die Landwirtschaft geben. Im ehemaligen Kloster Klarenthal richtete er eine Spiegelglasfabrik ein. Auch für die Bildung der Kinder sorgte er durch Einrichtung des "Augusteums" in Idstein.
Überhaupt war er vom "Bauwurm" besessen. Darin unterschied er sich nicht von den benachbarten Fürsten in Mainz oder Kassel. Die Schlösser in Idstein und Wiesbaden ließ er instandsetzen und ausbauen. Die Mauritiuskirche in Wiesbaden wurde umgebaut. Und am Biebricher Rheinufer legte er die Grundlagen für eines der schönsten Barockschlösser.

Um Ansehen und Glanz seines Hauses zu erhöhen, erneuerte er 1688 beim Kaiser in Wien die Fürstenwürde, die dem Haus Nassau bereits 1366 von Kaiser Karl IV. verliehen worden war. Die Kosten von über 20.000 Taler teilte er sich mit seinem Usinger Vetter, während der Weilburger die Zahlung seines Anteils verweigerte. Gerade als das Land sich wirtschaftlich zu erholen begann, starb Fürst Georg August am 26. Oktober 1721 an den Blattern. Da er keine männlichen Nachkommen hatte, erlosch mit ihm die Linie Nassau-Idstein-Wiesbaden. Die Fürstin zog sich nach Wiesbaden ins alte Schloss am Marktplatz zurück, wo sie am 18.Mai 1728 starb.

Dr. Rolf Faber, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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