Erzbischof Gerlach von Nassau (+1371)

1322 wurde der spätere Mainzer Erzbischof Gerlach als Sohn des Grafen Gerlach 1. von Nassau (11361) und der Agnes von Hessen (+ 1332) geboren. Sein Vater, Sohn des 1298 in der Schlacht bei Göllheim gefallenen deutschen Königs Adolf, bemühte sich um den Ausbau der noch schmalen Machtbasis des Hauses Nassau-Wiesbaden. Zielstrebig bereitete er die Erringung des Mainzer Erzstuhles für seinen Sohn vor. Voraussetzungen waren neben der Übernahme etlicher Kanonikerstellen und Pfründen durch den jungen Gerlach, der 1345 das Amt des Mainzer Domdechanten erreichte, zugleich der politische Anschluss an die luxemburgisch-päpstliche Partei. Diese Parteinahme für den Papst bedeutete freilich die Opposition gegen Kaiser Ludwig den Bayern.
Papst Clemens VI., dem der junge Nassauer gut in seine Pläne passte, setzte diesen am 7. April 1346 zum neuen Mainzer Erzbischof ein, obwohl Gerlach lediglich die niederen geistlichen Weihen besaß.

Der Erhebung des jungen Nassauer Grafensohnes war die päpstliche Absetzungserklärung gegenüber dem amtierenden, königstreuen Erzbischof Heinrich III. von Virneburg vorausgegangen. Dass dieser die päpstliche Absetzung nicht widerstandslos hinnahm, verstand sich von selbst. So hatte sich Heinrich bereits im März 1346 mit Ludwig dem Bayern und dem Mainzer Domkapitel gegen den Papst und seinen Kandidaten Gerlach verbunden. Aber mit Ludwigs plötzlichem Tod 1347 wurde der Weg frei für den päpstlichen Kandidaten. Die Auseinandersetzungen mit Heinrich von Virneburg fanden erst nach dessen Tod im Jahre 1354 ihr Ende.
Gerlach war es nach siebenjähriger Wartezeit gelungen, sich als Erzbischof zu etablieren und seine Machtposition auszubauen. Die Lage in dem durch die langen Kämpfe geschwächten Erzstift verbesserte sich unter seiner umsichtigen Regierung. In Gerlachs Regierungszeit fällt u.a. auch die Abfassung der "Goldenen Bulle', jenes 1356 verkündeten Grundgesetzes Karls IV., das die Wahl des deutschen Königs durch die Kurfürsten und ihre Vormachtstellung im Reich regelte.

Am 12. Februar 1371 verstarb der Erzbischof in der Aschaffenburger Residenz an den Folgen einer missglückten Gallensteinbehandlung. Seine Leiche wurde nicht nach Mainz überführt, sondern zur Beisetzung in die Rheingauer Zisterzienserabtei Eberbach gebracht. Zwei Tage nach Gerlachs Tod wurde dort das Begräbnis mit großer Feierlichkeit begangen; das aufwendig gestaltete Wandnischengrab an der nördlichen Chorflanke der Klosterkirche umschloss die sterblichen Uberreste des Nassauers.
1707 wurde das Grabmal beim Umbau des Chorraumes in seine heute noch vor Augen stehenden Form gebracht: Gerlachs Grabplatte wurde aufrecht an die Wand gestellt und diejenige des 1475 verstorbenen Mainzer Erzbischofs Adolf II. von Nassau daneben gesetzt. Damit war die willkürliche Neuschöpfung eines gemeinsamen Grabmals für zwei herausragende Erzbischöfe aus dem Grafenhause entstanden, die zugleich den Anfangs- und den Endpunkt der Nassauer auf dem Mainzer Erzstuhl kennzeichnen.

Yvonne Monsees, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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