Fürst Carl von Nassau-Usingen (Ein aufgeklärter Landesherr)

Die Geschichte des Hauses Nassau wird von einer VieIzahl von Teilungen bestimmt. Als 1255 die Brüder Walram und Otto ihr Territorium teilten, entwickelten sich die zwei entscheidenden Linien, die walramische und die ottonische.
1735 folgte in der walramischen Linie eine erneute Teilung.
Am 23. Dezember teilten die Brüder Carl und Wilhelm Heinrich ihr Territorium, das neben dem Fürstentum Nassau-Usingen auch die Teilgrafschaften Idstein-Wiesbaden, Ottweiler und Saarbrücken umfaßte. CarI erhielt alle rechtsrheinischen Besitzungen mit Usingen, Idstein, Wiesbaden und Lahr (in Baden), sein jüngerer Bruder Wilhelm Heinrich (*1718) alle linksrheinischen Gebiete mit Saarbrücken, Ottweiler, Jugenheim, Wöllstein und Rosenthal, sowie gemeinschaftlich mit Weilburg Saarwerden und Homburg.
Fürst Carl war am 31. Dezember 1712 in Usingen geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren war sein Vater, Fürst Wilhelm Heinrich I. (*1684), gestorben. Nun übernahm seine Mutter, Fürstin Charlotte Amalie, eine Prinzessin von Nassau-DilIenburg, die Vormundschaft für ihre beiden unmündigen Söhne. 1734 erklärte der Kaiser Karl VI. der Erbprinzen für volljährig, so dass er seinem Vater in der Regierung nachfolgen konnte. Nachdem er die Herrschaft mit seinem Bruder geteilt hatte, verlegte er 1744 die Residenz aus dem hinteren Taunus nach Biebrich an den Rhein. Seine Mutter hatte Schloß Biebrich 1729 aus dem Nachlaß des Fürsten Georg August Samuel von Nassau-Idstein erworben und es instandsetzen lassen. Fürst Carl ließ das Schloß ab 1733 durch den Architekten Friedrich Joachim Stengel zu einer repräsentativen Residenz ausbauen.

Bereits die Mutter des Fürsten erließ in der Zeit der Vormundschaft von 1718 bis 1735 zahlreiche Gesetze, die aus dem Fürstentum einen für die damalige Zeit "modernen" Staat machten. Insbeson-dere wurde die Verwaltung des Landes von Grund auf neu organisiert, wobei sie die Trennung von Hof und Landesverwaltung durchführte. Im Idsteiner Schloß richtete sie ein Landesarchiv ein, Vorläufer des heutigen Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden und durch Ankauf von Büchern legte sie den Grundstein für die heutige Hessische Landesbibliothek. Streng ließ sie auf die Einhaltung der Schulpflicht achten und für die Ausbildung der Lehrer wurde ein Seminar eingerichtet. Dagegen erhielt die von ihr initiierte Judenordnung besonders viele Verbote und Einschränkungen; sie galt auch im Herzogtum Nassau.
Trotz ihrer klugen und resoluten Herrschaft gelang es ihr nicht, dem Fürstentum im Reich einem angemessenen Platz zu verschaffen. Schließlich ließ sie es sogar zu, dass ihre Söhne das Land teilten und es dadurch zu einer erheblichen Schwächung des Landes kam.
Fürst Carl profitierte in seiner Regierungszeit von den "modernen" Gesetzen seiner Mutter. Auch ihm ging es um das Wohlergehen seiner Untertanen. Besonders förderte er Wiesbaden, den Sitz der Regierung, die im alten Schloß untergekommen war. In Wiesbaden konnte sich eine Buchdruckerei niederlassen, außerdem gründete er eine Fayencefabrik und er organisierte das Glücksspiel neu. Besonders erwähnenswert ist sein Verbot des Kaffeetrinkens. Dabei spielten nicht nur Gesichtspunkte der Gesundheit eine Rolle, sondern er sah die Gefahr, dass durch den Import der Kaffeebohnen sehr viel Geld ins Ausland gehen würde.

Fürst Carl starb am 21. Juni 1775 in Biebrich; er wurde in Usingen beigesetzt. In erster Ehe war er mit Christiane Wilhelmine von Sachsen-Eisenach verheiratet. Nach ihrem Tod heiratete er in morganatischer Ehe die Tochter des Wiesbadener Stadtschultheißen Magdalena Groß.

Günther Wengenroth / Dr. Rolf Faber, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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