König Adolf, einziger deutscher König aus dem Hause Nassau

Nur einem einzigen Spross aus dem Hause Nassau gelang es, zum deutschen König gewählt zu werden: Graf Adolf von Nassau. Am 5. Mai 1205 versammelten sich in Frankfurt am Main die vornehmsten Fürsten des Reiches, denen die Wahl des deutschen Königs anvertraut war. Sie waren übereingekommen, nach dem Tode König Rudolfs nicht seinen Sohn Albrecht zum Nachfolger zu wählen, sondern den Grafen von Nassau. Es waren rein machtpolitische Gründe, die insbesondere die Erzbischöfe von Mainz und Köln zu dieser Entscheidung veranlassten. Einen König, der ohne größere Hausmacht war, musste sich eher ihren eigenen Machtinteressen beugen. Um ihre Interessen auch nach der Wahl durchsetzen zu können, hatten sie den nassauischen Grafen im Vertrag von Andernach gezwungen, ihnen umfangreiche Rechte zuzusichern. Nur wenige Dokumente gibt es, aus denen der Geist ungehemmter politischer Erpressung so deutlich spricht.
Doch hatten sie sich in der Person des neuen Königs gewaltig getäuscht. Nach seiner Wahl begann König Adolf, eine von seinen Wählern unabhängige Politik zu betreiben. Nach und nach löste er sich von den eingegangenen vertraglichen Bindungen. Er begann, eine eigene Reichspolitik zu machen, und er versuchte auch, seine schmale territoriale Grundlage zu vergrößern.

In Sachen des Reiches schloss er Verträge mit dem englischen König, um diesen gegen Frankreich zu unterstützen. Trotz der Abmachungen, die ihn zu einem Kriegszug verpflichteten, gelang es ihm, das Reich aus den kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Dagegen versuchte er, im Osten des Reiches eine eigene territoriale Hausmacht zu errichten. Er erwarb für 12.000 Mark Silber die Landgrafschaft Thüringen. Damit verstieß er jedoch gegen die geltende Rechtsordnung des Reiches. Zugleich geriet er auch in Konflikt mit dem Erzbischof von Mainz, der ebenfalls in Thüringen territoriale Interessen hatte. Um seine eigene Macht zu verteidigen, schmiedete der Mainzer Erzbischof Gerhard II. ein Bündnis gegen den König. Es gelang ihm, eine Mehrheit der Kurfürsten für eine Absetzung zu erreichen. Die Antikoalition traf sich im Juni 1298 in Mainz. Sie setzten den König ab und wählten Albrecht von Osterreich zum neuen König.
Natürlich dachte Adolf nicht daran, sich dem falschen Urteil zu beugen. Die Absetzung des Königs musste erst noch durchgesetzt werden, und das konnte nur mit Waffengewalt geschehen. Am 2. Juli 1298 kam es bei Göllheim in der Pfalz am Fuße des Donnersbergs zur Entscheidungsschlacht. Das Heer Adolfs wurde besiegt, er selbst erschlagen. Der Leichnam wurde zunächst im Kloster Rosenthal bestattet, ehe er 1309 im Speyerer Dom seine letzte Ruhestätte fand.

König Adolf ist sowohl für die hessische als auch für die nassauische Landesgeschichte von großer Bedeutung. Für Hessen ist das Jahr 1292 ein wichtiges Datum. Unmittelbar nach seiner Wahl erhob der König Heinrich von Hessen-Brabant als Landgraf in den Reichsfürstenstand. Damit war die endgültige Trennung von Thüringen vollzogen und die Landgrafschaft Hessen ein selbständiges Territorium. Für die nassauische Geschichte bedeutete seine Wahl eine besondere Anerkennung des Hauses Nassau. In der Nähe von Wiesbaden veranlasste er die Gründung eines Klosters, das als Grablege des Hauses Nassau dienen sollte. Bis zur Säkularisation im Jahre 1559 blieb diese Funktion erhalten. Heute sind nur noch wenige Reste vorhanden.

Dr. Rolf Faber, Jahrbuch des Rheingau-Taunus-Kreises 2002, Herausgegeben vom Kreisausschuß des Rheingau-Taunus-Kreises

 
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